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Review

Schon seit länge­rem verfolge ich das Schaf­fen der kanadi­schen Band Fucked Up mit großem Inter­esse. Einge­stie­gen und aufmerk­sam gewor­den bin ich spät – nämlich erst mit dem Video zum fulmi­nan­ten „Queen Of Hearts“ vom Album „David Comes To Life“.

Das Album habe ich danach kennen und lieben gelernt und dieser Tage stand nun jüngst die Veröf­fent­li­chung von „Dose Your Dreams“ an; dem mittler­weile ungefähr neunten Studio­al­bum der Band.

Die Vorab‐Single „Normal People“ fand ich schon äußerst vielver­spre­chend, vielleicht gerade deshalb, weil sie mit dem gewöhn­li­che Schema und Image der Band als Vertre­ter des Hardcore nicht mehr viel zu tun hatte.

Fucked Up sind inzwi­schen Genre‐sprengende Meister der Abwechs­lung, davon zeugt „Dose Your Dreams“ zu genüge. Es gibt Shoegaze, Funk, Disco, Psych‐ und Avantgarde‐Rock und sogar ein bißchen harten technoi­den Beat à la The Prodigy.

Das Album ist kein Meilen­stein, aber in seinem Abwechs­lungs­reich­tum höchst unter­halt­sam und mehr als gelun­gen. Mein Problem mit den älteren Alben war immer, das ich Damians Geschrei ungefähr 20 Minuten lang geil fand, dann aber genervt war und eine Pause brauchte. Das ist bei diesem Album nicht der Fall. Kaufemp­feh­lung!

 

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Propagandhi – Victory Lap

von Torsten am 14. Februar 2018 · 0 Kommentare

in Musik

Propa­gan­dhi spielen seit Jahren im Punk/Hardcore dank dem unfass­ba­ren Songwri­ting in einer eigenen Liga. Da wartet man auch gerne 5 Jahre auf ein Album. „Victory Lap“ ist eine fantas­ti­sche Platte gewor­den. Todd Kowal­ski der ja schon auf den letzten Alben einige Songs als Leadsän­ger beisteu­erte, verar­bei­tete die Trauer um seinen Vater in „When All Your Fears Collide” und dem überra­gen­den „Nigredo“ – letzte­rer definitv eines der Höhepunkte des Albums. Die Songs des neuen Albums sind fast durch­gän­gig schnell und rockig aller­dings wird das Gaspe­dal etwas weniger druch­ge­tre­ten als noch auf „Failed States“. Man setzt wieder auf etwas eingän­gi­gere Melodien. Das sehr trashig begin­nende „Lower Order (A Good Laugh)“ oder „Cop Just Of Frame“ sind ein gutes Beispiel dafür.

Die Songs sind teilweise recht komplex, was das Album auch für die nächs­ten Wochen und Monate spannend machen wird – man wird immer wieder neue Dinge darauf entde­cken. Wertung: 910 Börde­kar­tof­feln!

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Der Novem­ber brachte ein Monster hervor und sein Name ist „Low In High School“. 5 gute Songs und 7 viel weniger gute – darauf läßt sich das neue Morrissey‐Album wunder­bar herun­ter­bre­chen. Ich wußte nach den ersten Durch­läu­fen nicht mehr, ob ich lieber in Tränen ausbre­chen oder kopfschüt­telnd die Dorfstraße herun­ter­lau­fen sollte. Dazu das jetzt schon „legen­däre“ Inter­view im SPIEGEL von letzter Woche; es fällt in Zeiten wie diesen nicht leicht, nicht am Meister zu zweifeln. Aber seine ganzen kruden Aussa­gen zum Weltge­sche­hen mal außen vor gelas­sen – wir widmen uns den Songs in der Einzel­kri­tik, verlie­ren einige Worte zum Album allge­mein und schlie­ßen mit den techni­schen Details. Los geht’s:

© Ein Scheiß­foto, aber ich hatte gerade nichts besse­res…

My Love, I’d Do Anything for You
Ein breit­bei­nig rocken­der, maßlos aufge­pimp­ter Krawall­bro­cken zum Auftakt. Da wollte jemand viel, für meinen Geschmack ein bißchen zuviel. Erinnert an die Eröff­nung auf „Years Of Refusal“, die mit „Something Is Squee­zing My Skull“ ähnlich rabiat ausfiel. Die ersten Zeilen des Albums lauten also „Teach your kids to recognize and despise all the propa­ganda, filte­red down by the dead echelons mainstream media“. Ich bin ja ein großer Freund des Alleshin­ter­fra­gens, aber das hier klingt mir dann doch eine Spur zu sehr nach „Lügen­presse“. Da war der Meister früher weniger eindeu­tig und ließ immer Raum für Inter­pre­ta­tio­nen. Hier klingt’s textlich genauso krawal­lig wie es das musika­lisch tut. 610

I Wish You Lonely
Schon besser, es klingt wieder nach Morris­sey. Viel mehr fällt mir dazu aller­dings auch nicht ein. 710

Jacky’s Only Happy When She’s Up on the Stage
Noch besser. Morris­sey strei­tet ja hartnä­ckig ab, das es sich bei diesem Song um eine Analo­gie auf den Brexit handelt. Was hanebü­chen ist, denn der Zusam­men­hang ist offen­sicht­lich; es passt einfach alles. Eine schöne Nummer, weniger brachial als die ersten beiden, einer der Höhepunkte des Albums. 810

Home Is a Question Mark
… gleich gefolgt vom absolu­ten Höhepunkt des Albums. Ein wunder­schö­ner Song. Aller­dings klingen die Strei­cher ein wenig synthe­tisch. Es gibt übrigens einen übrig­ge­blie­be­nen Titel aus den Quarry‐Sessions von 2004 und der heißt … taaada­aaaa! … „Home Is A Question Mark“. Die Songwriter‐Credits zu dieser Version verwei­sen aller­dings auf das aktuelle Bandmit­glied Mando Lopez statt auf Alain Whyte, der für einen Großteil der Quarry‐Songs die Co‐Writer‐Credits hält. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt… bei der Klasse der Nummer würde es mich nicht wundern, wenn sie tatsäch­lich ein Überbleib­sel aus Quarry‐Zeiten ist. Nur Alain Whyte wird’s genau wissen… 910

Spent the Day in Bed
Die Vorab‐Single, die mich schon zweifelnd zurück­ließ. Hier zeigen sich erstma­lig die Tingel­tan­gel­te­den­zen, auf die wir im weite­ren Verlauf des Albums noch öfter stoßen werden. Früher hätte sich der Text zum Song wie eine schöne Verwei­ge­rungs­hymne gelesen; in Zeiten wie diesen klabaustert er schon an der Grenze zur eingangs erwähn­ten Lügen­presse dahin. Musika­lisch ganz nett, ganz entspannt, tut nicht weiter weh, ist aller­dings auch nicht schlecht. Wobei mich die „No Bus, No Boss, No Rain, No Train“-Zeilen in ihrer infan­ti­len Billig­rei­mig­keit fürch­ter­lich an „Ill In Sevill … Gaga In Malaga“ aus dem Bullfigh­ter auf „World Peace Is None Of Your Business“ erinnern. 710

I Bury the Living
Die guten Momente des Albums sind hier bereits vorbei. Ab jetzt wird’s wirr. In diesem Song versucht sich Morris­sey an einer Nick Cave‐schen Variante zum Thema Milita­ris­mus, Krieg, Solda­ten­le­ben. Bis 5:17 min funktio­niert das einiger­ma­ßen, dann kommt der grauen­hafte „It’s funny how the War goes on without our John!“-Teil, den ich einfach nur schreck­lich finde. 510

In Your Lap
Eine uninspierte Ballade zum Arabi­schen Frühling, vorge­tra­gen am alten Klimper­kla­vier von Johan­nes Heesters. 210

The Girl from Tel‐Aviv Who Wouldn’t Kneel
Ich hatte nach den ersten live darge­bo­te­nen neuen Songs den Eindruck, das Album würde in Richtung ChaChaCha‐Arab‐Pop‐Flamenco‐Weltmusik gehen. Dieser Titel bestä­tigt meine Einschät­zung. Erneut furcht­ba­res Geklim­per auf dem Klavier. 410

All the Young People Must Fall in Love
Jetzt sind wir wieder bei den vorhin erwähn­ten Tingel­tan­gel­ten­den­zen. Ein rundum misslun­ge­ner Song, mit viel Tamtam, Handclaps und einem schreck­li­chen Refrain. Weil mir der Teil bis zum ersten Chorus gefällt, vergebe ich 210 Punkte.

When You Open Your Legs
… und weiter geht’s mit „Songwri­ting nach Zahlen“, so kommt mir die Veran­stal­tung hier nämlich langsam vor. Dieser Song klingt wie die Kopie der Kopie von einem mittel­mä­ßi­gen Morrissey‐Song – „Songwri­ting nach Zahlen“ eben. Das ist mir erstma­lig bei „Ringlea­der Of The Tormen­tors“ aufge­fal­len, auch dort waren viele Songs nur schlechte Kopien von alten Morrissey‐Songs. Komplett überflüs­sige Nummer. 110

Who Will Protect Us from the Police?
Es geht wieder ein wenig aufwärts. Bei den ersten Durch­läu­fen hat mir dieser Song überhaupt nix gegeben, inzwi­schen ist er einiger­ma­ßen hörbar. Dennoch will mir partout nicht viel dazu einfal­len. 510

Israel
Eine rundum mißlun­gene Schmon­zette. Ich habe keine Meinung zum Konflikt zwischen Israel und Paläs­tina; nur für den Fall, das mir jemand unter­stel­len möchte, dass ich den Song deshalb nicht mag. 110

Das macht insge­samt nach Adam, dem Riesen, 57 Punkte; was wiederum in der Gesamt­wer­tung 4.75÷10 Punkten macht. Ein mittel­mä­ßi­ges Album. 6 oder 7 Songs als EP hätten für mich gereicht, der Rest ist überflüs­si­ges und enttäu­schen­des Füll‐ und Blend­werk.

Zu den eingangs erwähn­ten techni­schen Details noch ein paar Anmer­kun­gen: Ich habe mir die LP zweimal gekauft. Einmal die „limitierte“ LP in grün und die reguläre Pressung in trans­pa­ren­tem Vinyl. Die Laufzeit beträgt ca. 27 Minuten je Seite, was viel zu lang ist. Bekannt­lich nimmt die Sound­qua­li­tät von Vinyl ab einer Laufzeit von ca. 20 Minuten je Seite (12″, 33 13 RPM) drama­tisch ab. So auch bei diesen Pressun­gen, die voller Clicks und Pops sind, und außer­dem extrem leise. Auch das ist der Physik und dem aufgrund der übermä­ßi­gen Laufzeit gerin­gen Rillen­ab­stand geschul­det. „Low In High School“ hätte als Doppel‐LP erschei­nen müssen. Vergleicht man die LPs mit der CD‐Pressung, fällt ein deutlich druck­vol­ler und basslas­ti­ger Sound auf letzte­rer auf. Die Aufma­chung ist ordent­lich: Solides Gatefold (über das Cover­mo­tiv lässt sich treff­lich strei­ten), bedruckte Innen­hül­len, insge­samt ein schönes Layout; auch wenn die Typo sehr nach Hamburg‐Mannheimer Reloa­ded aussieht. Das Album ist außer­dem in vier weite­ren Farben sowie als 7″-Box erschie­nen. Die habe ich mir aller­dings gespart… gut so, denn letzt­end­lich zählt die Musik und nicht das Medium.

Wie es mit Morris­sey weiter­geht, steht in den Sternen. Ich wünsche mir irgend­wann nochmal ein richtig gutes Album, mit richtig gutem Songwri­ting der alten Mozza‐Schule. Ob es jemals soweit kommen wird, ist im Moment mehr als fraglich. Außer­dem wünsche ich mir, das sich unsere alte Manchester‐Gurke mit Kommen­ta­ren zum Weltge­sche­hen ein wenig zurück­hält und einfach das macht, was er am besten kann bzw. konnte: Tolle Songs mit tollen Texten schrei­ben und jene mit seinem einzig­ar­ten Schmelz in der Stimme vortra­gen. Ich geh‘ jetzt Viva Hate, You Are The Quarry oder sogar Bona Drag hören und erinnere mich an tollere Zeiten… 😉

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Meine erste Begeg­nung mit KALTFRONT war das Logo der Band auf einem Arbeits­schuh. Liest sich komisch, ist aber wahr. 1988 hatte ein Mit‐Berufsschüler der Berufs­schule „Rudi Arndt“ in Berlin das Kaltfront‐Logo auf einen seiner Schuhe gesprayt. Sah toll aus.

Kaltfront wurden 1986 in Dresden gegrün­det und erspiel­ten sich in der DDR‐Punkszene einen großen Bekannt­heits­grad. Nach einer Auszeit in den Nachwen­de­jah­ren kam es 2005 zur Reunion. Gerade ist wieder ein neues Album erschie­nen, es trägt den Titel „Wenn es dunkel wird“. Kaltfront liefern auch hier wieder ihren gewohnt tollen Wavepunk ab – atmosphä­risch, dunkel und gut produ­ziert. Der einzige Punkt, der mich ein bißchen stört, sind die vielen Neuein­spie­lun­gen altbe­kann­ter Hits. Aber vielleicht bringt die Zukunft der Band mit verjüng­ter Beset­zung ja wieder mehr neue Songs zutage… Dennoch: Rundum eine empfeh­lens­werte Platte. Eine schöne Rezen­sion – der ich mich vollin­halt­lich anschlie­ßen kann – gibt es auf bierschinken.net. Vielen Dank an Stephan von Rundling für die (genutzte) Chance auf eine Testpres­sung!


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Wil Wagner wirkt gehetzt

von Torsten am 19. April 2017 · 0 Kommentare

in Musik

An dieser Stelle seit länge­rer Zeit mal wieder eine Musik­emp­feh­lung. Das neue Album der The Smith Street Band „More Scared Of You Than You Are Of Me“ ist am 7. April offizi­ell erschie­nen.

Ich hatte nach „Throw Me In The River“, das auch schon wieder 2 12 Jahre zurück­liegt, die höchs­ten Erwar­tun­gen und ich wurde nicht enttäuscht. Das neue Album bietet erneut eine furiose Achter­bahn­fahrt der Gefühle. Wil Wagner wird von „seiner“ Band durch das Album gehetzt; man könnte es auch anders­rum sehen. Ich bin ein schlech­ter Musik­kri­ti­ker und misera­bel im Beschrei­ben von Musik. Deshalb kann ich nur feststel­len, das ich von diesem Album ebenso geflasht bin, wie ich es vom Vorgän­ger war. Hoch‐emotionaler Punkrock auf einem hervor­ra­gen­den spiel­tech­ni­schen Niveau, berüh­rend, mitrei­ßend und aufpeit­schend. Schön, daß es sowas heute überhaupt noch gibt.

Kleiner Wermuts­trop­fen: Ich konnte mich wieder nicht zurück­hal­ten und habe insge­samt drei verschie­dene Pressun­gen gekauft. Zum einen die deutsche Deluxe‐Ausgabe auf Uncle M Music (limitiert auf 100 Exemplare, mit wunder­schö­nem einge­kleb­tem 16‐seitigen Booklet im Vollfor­mat), die auf 150 Exemplare limitierte Pink Splat­ter UK‐Version auf Specia­list Subject Records und die austra­li­sche Pressung auf Poison City Records (exklu­sive Farbe, 400 Exemplare). Alle Platten sehen toll aus und sind super aufge­macht, doch jetzt kommt das große ABER: Sie klingen scheiße und sind minder­wer­tig gepresst. Es ist ja grund­sätz­lich ein Problem, das die heutige Ferti­gungs­qua­li­tät mit der Massen­pro­duk­tion der 70er und 80er Jahre längst nicht mehr mithal­ten kann; aber was in diesem Fall abgelie­fert wurde, ist wirklich besorg­nis­er­re­gend: Alle Pressung sind „off‐centre“ (also nicht exakt mittig gelocht), die Platten haben einen mehr oder weniger starken Höhen­schlag und allge­mein herrscht ein hohes Niveau an Rauschen und Neben­ge­räu­schen. Das hab ich so krass noch nicht erlebt und sollte für die Zukunft keine Schule machen. Ich bin kein audio­phi­ler Voodoo­on­kel, aber was in diesem Falle an Quali­tät abgelie­fert wurde, ist wirklich unter­ir­disch. Und sehr schade. 🙁

Nichts­des­to­trotz: Ein großar­ti­ges Album, das berührt wie nur wenig heutzu­tage. Toll, daß Punkrock im Jahr 2017 noch so begeis­tern kann.

Ein sehr schönes und inter­es­san­tes Track‐By‐Track‐Interview gibt’s bei Uproxx..


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Vor zwei Wochen bin ich gleich zweimal bemus­tert worden, wenn ich mich recht erinnere, kam das in den nunmehr 318 Jahren Börde­be­hörde überhaupt noch gar nicht vor. Fürs erste besten Dank an Flix Records, die mich mit einer Kopie von 6’10 Debut­al­bum „The Humble Begin­nings Of A Rovin‘ Soul“ ausstat­te­ten. Hier meine Kurzkri­tik:

6’10 ist die neue Bluegrass‐/Folkband von Tobin Bawin­kel, Front­man der Punkband Flatfood 56. Im Vergleich zu seiner punki­gen Haupt­band sind die Songs von 6’10 eher melancholisch‐melodische Ausflüge in Singer‐Songwriter‐Gefilde. Frank Turner fällt mir als erstes ein, aller­dings deutlich folki­ger als selbi­ger. Eine beschwingte Mischung aus Folk, Rock und Country. Chuck Ragan könnte ich auch noch nennen, aller­dings geht es deutlich beschwing­ter zur Sache. Die Songs wurden in Bawin­kels Schlaf­zim­mer aufge­nom­men, was man dem Album aber gottsei­dank nicht anhört. Ganz im Gegen­teil: Die Produk­tion ist auf hohem Niveau und die Platte klingt wirklich frisch und gut. Erschei­nen wird das Album am 9. Januar ganz in DIY‐Manier.

Wertung: 710 Börde­kar­tof­feln

6’10 auf Bandcamp, Facebook, Youtube.

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