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Sachsen-Anhalt

Passend zum Tag des Mauer­baus heute vor 57 Jahren haben wir gestern das Grenz­denk­mal in Hötens­le­ben besucht. Ein Ort der Besin­nung und des Verste­hens. Ich kann jedem, der sich heute wieder auf Facebook in den Kommen­ta­ren auskotzt (Ost <-> West) nur wärms­tens den Besuch empfeh­len. Kühlt das Gemüt, bildet und tut auch gar nicht weh… Einen inter­es­san­ten wenn auch kurzen artour‐Beitrag zur Entste­hung und den massi­ven Wider­stän­den gibt es hier zu sehen.



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Ebenso sehens­wert wie desil­lu­sio­nie­rend: Gestern abend lief im Mittel­deut­schen Rundfunk ein Beitrag von exakt unter dem Titel „Wie geht’s, Sachsen Anhalt? Ein Land vor der Wahl“. Ausgangs­punkt für die einstün­dige Sendung war unsere Kreis­stadt Haldens­le­ben. Im Auftrag des MDR wurden von Infra­test Dimap viele Einwoh­ner aus Stadt und Umgebung zur politi­schen Lage inter­viewt.

Die Ergeb­nisse sind wenig überra­schend: „Die Sachsen‐Anhalter wünschen sich mehr direk­ten Kontakt mit Politi­kern. Außer­dem konsta­tier­ten die Meinungs­for­scher eine große Unsicher­heit, welcher Partei die Bürger bei Landtags­wahl im März ihre Stimme geben sollten. Einige Befragte wollen deshalb gar nicht zur Wahl gehen.“

Ich finde es immer wieder aufschluß­reich, wie tief der Graben zwischen Politik und Volk inzwi­schen zu sein scheint. Selbst in unserer relativ wohlha­ben­den Gegend mit – Origi­nal­ton MDR – „der höchs­ten Millio­närs­dichte im Osten“; einer Gegend, in denen es einem Großteil der Menschen eigent­lich ganz gut geht. In der Gegend, mit der niedrigs­ten Arbeits­lo­sen­quote im ganzen Osten… Mein Fazit für die Zukunft Sachsen‐Anhalts fällt gemischt aus. Ich hab viele Vorur­teile bestä­tigt gesehen, beson­ders was politi­sche Diskus­sio­nen unter Handwer­kern angeht. Auch die Folgen der Abwan­de­rung spüre ich persön­lich. Und das allge­meine Desin­ter­esse an Politik im Lande hat inzwi­schen leider auch auf mich abgefärbt… Was Sachsen‐Anhalt braucht, ist eine Vision für die Zukunft. Oder wenigs­tens eine Alter­na­tive zum Dasein als Niedrig­lohn­land.

Jeden­falls eine sehr gute Sendung, die hier in der MDR‐Mediathek angese­hen werden kann.

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Gestern abend gab’s den Bundes­vi­sion Song Contest, und als Musik­fan guck ich mir das natür­lich an. Adolar traten für Sachsen‐Anhalt an und bekamen 12 Punkte. Die kamen aus Sachsen‐Anhalt selbst, alle anderen Bundes­län­dern gaben jeweils keinen einzi­gen Punkt für die Band. Damit beleg­ten Adolar vor Meck‐Pomm den vorletz­ten Platz. Nicht ganz zu Unrecht, wie ich finde. Der Song ist so lala, der Text sehr sehr bemüht, die Live‐Performance an sich war nichts beson­de­res, und wer sein Album „Die Kälte der neuen Bieder­keit“ nennt, sollte entwe­der 38 Semes­ter Philo­so­phie studiert haben, oder zumin­dest einen halbwegs nachvoll­zieh­ba­ren Grund für derart hochtra­ben­des Gemur­mel haben. Schade.



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Achtung, jetzt kommt’s knüppel­dick! Der Radio Brocken‐Sachsen‐Anhalt‐Song: 1000 gute Gründe für unser herrli­ches, wohlfei­nes, episches, toleran­tes, weltof­fe­nes und unfaß­bar großar­ti­ges Bundes­land! Der Song ist Teil einer Werbe­kam­pa­gne des Senders. Schirm­herr der Aktion ist unser Minis­ter­prä­si­dent David Hassel­hoff. Ich bin so hin und weg und begeis­tert und sprach­los, daß ich am liebs­ten auf der Stelle Sex mit meinem Bundes­land hätte … lang lebe Sachsen‐Anhalt!!!



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Es ist vollbracht. Der große Lieder­zy­klus der neuen Bundes­län­der ist vollstän­dig. Nach Branden­burg, Thürin­gen, Sachsen und Mecklenburg‐Vorpommern hat Rainald Grebe sich nun endlich auch Sachsen‐Anhalt vorge­nom­men. Hier ist das Ergeb­nis:

Endlich haben auch wir unser Lied. Danke, Rainald! :mrgreen:

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Mit 17 keine Träume mehr

von Torsten am 29. September 2009 · 14 Kommentare

in Aufgelesen

Aus dem Magde­bur­ger Stadt­ma­ga­zin „DATEs“: Die Kolumne des Monats Oktober. Soooo gut, daß ich mir die Mühe des Abtip­pens gemacht habe und außer­dem sehr neidisch bin, sowas Gutes nicht selbst geschrie­ben zu haben:

In München erschlägt sie auf S‐Bahnsteigen Menschen, in Ansbach läuft sie Amok, in Sachsen‐Anahlt wählt sie zu 7% NPD – unsere Jugend ist einmal mehr ins Gerede gekom­men. Die Verant­wort­li­chen schwan­ken bei der Ursachen­be­kämp­fung erneut zwischen einer Verschär­fung des Jugend­straf­rechts und einer Erhöhung der Polizei­prä­senz – und bei der Ursachen­for­schung zwischen dem Konsum media­ler Gewalt­ex­zesse und der allge­mei­nen Perspek­tiv­lo­sig­keit. Gerade letztere freilich ist eine absolute Chimäre. Es möge doch bitte einer der Schwät­zer, die dieses Grati­s­ar­gu­ment perma­nent ins Feld führen, einmal eine deutsche Jugend benen­nen, die über eine bessere Perspek­tive verfügt hat! Es mag ja sein, daß die junge Genera­tion unmit­tel­bar nach der gewon­nen Schlacht im Teuto­bur­ger Wald, dem Einzug von Kaiser Wilhelm in Versailles oder dem Überfall auf Polen die Zukunft rosarot gesehen hat – aber dieser Perspek­tiv­rausch ist doch jeweils recht bald wieder verflo­gen.

Die heutige Jugend dagegen sieht sehr wohl eine Perspek­tive, auch wenn diese jeden Freigeist mit abgrund­tie­fem Grausen erfüllt: Bei der bundes­wei­ten „U‐18‐Wahl“ ist in Sachsen‐Anhalt die CDU zur stärks­ten Fraktion gewor­den. Die CDU! Das muß einen freilich nicht wundern, wenn man bedenkt, daß unsere Jugend reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­gen zufolge feste Bindun­gen, sexuelle Treue und Absiche­rung als „sehr wichtig“ empfin­det. Diese Genera­tion würde Abitur‐ und Hochzeits­feier am liebs­ten gleich zusam­men­le­gen und hat ihr Jugendweihe‐ oder Konfir­ma­ti­ons­geld wahrschein­lich längst in die Alters­vor­sorge inves­tiert. Diese Genera­tion protes­tiert nicht mehr, sondern unter­wirft sich willen­los dem Konsum­ter­ror. Diese Genera­tion findet Sicher­heit wesent­lich wichti­ger als Freiheit. Diese Genera­tion verschleu­dert ihr Taschen­geld nicht für käufli­che Liebe, Musik und Drogen, sondern für lächer­li­che Marken­kla­mot­ten und Klingel­töne. Sex, Drugs & Rock’n’Roll liefern großar­tige Räusche, aus denen man freilich immer wieder erwacht – aus einem klägli­chen Klingel­ton­rausch erwacht niemand mehr.

Ich habe Angst vor dieser Jugend. Sie steht nun einmal für die Perspek­tive unserer Gesell­schaft – und wenn ich mir vorstelle, daß in diesen sinnlos simsen­den Händen irgend­wann die Geschi­cke unseres Landes liegen werden, dann will ich, wenn es so weit ist, entwe­der im Grab oder in einer unter Palmen aufge­spann­ten Hänge­matte liegen. Und dann will ich mit einer üppigen Rente ausge­stat­tet sein und darum bin ich mit den Sonntags­re­den unserer Politi­ker absolut nicht einver­stan­den: ich bin nämlich sehr wohl dafür, auf dem Rücken dieser Genera­tion weitere Schul­den zu machen. Es können gar nicht genug sein. Bezah­len wir ihnen die Sicher­heit, nach der sie sich so sehr sehnen, und bringen uns vor allem selber in Sicher­heit. Sollen sie ächzen und stöhnen unter der Last dieses Schul­den­ber­ges – das ist eine gerechte Strafe dafür, schon mit 17 CDU gewählt zu haben.

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