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Verkehrschaos

Im Schlagloch

von Gunnar Roß am 30. Dezember 2010 · 5 Kommentare

in Kraut und Rüben

Mein Name ist Gunnar Roß und mich fröstelt. Dieser Dezem­ber ist der kälteste seit 40 Jahren und verur­sacht Straßen­schä­den in Billi­ar­den­höhe. Schlag­loch reiht sich an Schlag­loch und hier bei uns in den ländli­chen Gebie­ten ist es mancher­orts so schlimm, daß sich Automo­bi­lis­ten, fahren­des Volk und auch die Fußgän­ger nur noch von Loch zu Loch hangeln können. Manch einer hat sogar eine formschöne Alulei­ter dabei um für den Fall des Falles (das ist wörtlich zu nehmen) wieder aus dem Schlag­loch steigen zu können.

Wenn man aller­dings ohne Leiter in ein Schlag­loch gefal­len ist – wie mir das gerade vor 3 Tagen passiert ist – hat man unfrei­wil­lig jede Menge freier Zeit zur Verfü­gung. Diese kann man dann anspre­chend gestal­ten, z. B. mit Nachden­ken. Nachden­ken kostet außer Lebens­zeit nicht viel, hält den Brägen ((Es gibt Leute, die essen Brägen, auch Bregen oder Hirn genannt. Herrgottsa­kra­ment, wie kann man nur!)) in Schwung und fördert die inter­kul­tu­relle Kommu­ni­ka­tion mit der eigenen Person. Kommu­ni­ka­tion ist wichtig, das weiß jeder, der schon mal eine Woche am Stück geschwie­gen hat ((Schwei­gen liefert sich übrigens zusam­men mit Reden jedes Jahr ein Kopf‐an‐Kopf‐Rennen auf meiner Besten­liste der abson­der­lichs­ten Tages­frei­zeit­ge­stal­tun­gen. In diesem Jahr liegt Schwei­gen vorn, aber Reden hat für 2011 mit neuen Wörter­bü­chern aufge­rüs­tet. Es bleibt spannend!)). Als ich also vor 3 Wochen hier ins Loch fiel, kamen mir drei Gedan­ken in den Sinn. Einer davon betraf meine Anstren­gun­gen auf dem Gebiet der Zebrafinken‐Zucht. Der zweite drehte sich um die Kopfbe­de­ckung von Heinz Liskens von der Stadt­ver­wal­tung Aachen. Der dritte, und mit Abstand inter­es­san­teste Gedanke aber, betraf die Worte des Jahres.

Das offizi­elle Wort des Jahres 2010 steht bereits fest, es lautet Wutbür­ger. Ein Unwort des Jahres hat die Gesell­schaft für deutsche Sprache noch nicht gekürt. Mein persön­li­ches Unwort des Jahres steht jedoch fest. Ich werde es in einer der folgen­den Zeilen mit großem Tamtam, rollllll­len­dem Trommel­wir­bel, zwei extra einge­füg­ten Leerzei­len und sieges­si­che­rem Lächeln verkün­den: Das Roß’sche Unwort des Jahres lautet:

zeitnah



Da steht es vor uns, das Deter­mi­na­tiv­kom­po­si­tum ((Auch ich mußte nachschla­gen. Nachschla­gen ist keine Schande, was man vom Drauf­schla­gen getrost auch behaup­ten kann)) aus Zeit und nah. So klein und unschein­bar, noch so jung und doch schon so verdor­ben. Das kleine zeitnah kommt immer dann zum Einsatz, wenn es um möglichst bald umzuset­zende Aufga­ben geht. Erteilt werden diese Art von Aufga­ben meist von einer hierar(s)chischen Stufe oberhalb der meini­gen, also von Vorge­setz­ten, Chefs und anderem Gesin­del. Was mich an zeitnah so sehr stört, ist neben der Unver­bind­lich­keit des Wörtchens vor allem auch seine univer­selle Einsetz­bar­keit. Man könnte z. B. – wenn man denn mal muß – ebenso zeitnah ein Abort aufsu­chen, wie man sich zeitnah auf dem Jahrmarkt der Gefühle nach einer Lebens­ab­schnitts­über­brü­ckungs­part­ne­rin umsehen könnte. Zeitnah ist das perfekte Wort für die Beliebig‐ und Belang­lo­sig­keit unserer Zeit. Zeitnah ist unver­bind­lich, dehnbar und es frißt kein Brot. Zeitnah ist der Fluch und der Segen des Kapita­lis­mus. Zeitnah ist nichts und alles zugleich. Zeitnah geht eigent­lich immer. Zeitnah ist einsetz­bar bis zum bitte­ren Ende, denn irgend­wann werden wir alle zeitnah sterben. Manch einer zeitnah, der nächste zeitnä­her, und wieder andere am zeitnächs­ten.

Ihnen jedoch, liebe Leserin, lieber Leser, wünsche ich zeitnah vor allem Gesund­heit und daß sie mir und meiner kleinen abson­der­li­chen Welt des Mind Bowlings gewogen bleiben. Gegen eine Alu‐Leiter oder ein Seil hätte ich aller­dings auch nichts einzu­wen­den. Nur bitte – zeitnah! – sollte es sein.

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Am vorvor­gest­ri­gen Freitag war ich aufgrund massi­ver Schnee­ver­we­hun­gen 90 Minuten zur Arbeit unter­wegs. Statt der sonst üblichen 40 Minuten. Ich kam also mit 50 Minuten Verspä­tung an. Nach einem extrem stres­si­gen Arbeits­tag samt andert­halb Überstun­den begab ich mich dann auf dem Heimweg.

Ich bin weiß Gott kein ängst­li­cher Autofah­rer, aber die Menge an querste­hen­den bzw. im Graben liegen­den Autos, Lastwa­gen und Klein­trans­por­tern auf der A14 bzw. der A2, hat mich, als ich schlu­ßend­lich irgend­wann sicher zuhause war, drei große imagi­näre Kreuze (in etwa: X X X) an die Wohnzim­mer­wand malen lassen. Es handelte sich um ca. 10 Fahrzeuge, die die Straße verlas­sen hatten. Irgend­wann habe ich aufge­hört zu zählen.

Um das Gesche­hen zu verar­bei­ten, habe ich gleich am Sonnabend­früh zu Schippe, Zollstock und Bandmaß gegrif­fen, und mein Trauma kreativ verar­bei­tet:

😉 Genug ist genug, Gevat­ter Winter! Troll Dich!

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