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Julia Marcell

by Torsten on 3. August 2009 · 5 comments

in Musik

Gerade frisch entdeckt und dem geneig­ten Publi­kum vor die Füße gewor­fen: Julia Marcell.

Die polni­sche Sänge­rin, inzwi­schen in Berlin behei­ma­tet, begeis­tert durch nach eigener Defini­tion durch „Classi­cal Punk“. Man könnte es auch eine Mischung aus Tori Amos und Regina Spektor nennen, gewürzt mit einer Prise osteu­ro­päi­schem Charme und ordent­lich Melan­cho­lie. Die Songs sind durch­weg großar­tig, ein Video und weiter­füh­rende Links am Ende des Artikels.

Inter­es­sant ist auch ihr künst­le­ri­scher Werde­gang, insbe­son­dere die Finan­zie­rung des ersten Albums betref­fend. Dazu ein langer aber lesens­wer­ter Ausschnitt aus ihrem Promo­text:

JuliaSi-Fi08Mein Name ist Julia und ich schreibe Songs – zumin­dest wenn ich nicht gerade singe, denn den größten Teil meiner Zeit singe ich einfach – meist Sachen, die mir gerade einfal­len. Manch­mal entste­hen aus diesen kleinen Melodien eigene Stücke, die ich als klassi­sche Punksongs empfinde. Klassisch wegen meines Ansat­zes und Punk bezüg­lich der Ausfüh­rung. Meistens handelt es sich um Geschich­ten und ich mache sie einfach, damit jeder sie verste­hen kann, jedoch nicht zu einfach um sicher zu gehen, daß jeder sie auf seine Art versteht. Um den sehr unter­schied­li­chen und aus vielen Einflüs­sen entstan­de­nen Song-Geschichten ein ausglei­chen­des Moment entge­gen­zu­set­zen, halte ich die Instru­men­tie­rung maßvoll – natür­li­che, organi­sche Klänge, Strei­cher, handge­spielte Klavier­no­ten und eine flüsternde, mitreis­sende und atmende Stimme bilden die Klang­welt, die mich faszi­niert. Begon­nen hat meine Geschichte mit einer Gitarre, mir selbst und dem großen Chaos. In der Frühphase entstan­den daraus 200 Songs, von denen ich zum Glück die meisten schon wieder verges­sen habe. Mein persön­li­cher Urknall war der Moment in dem mir klar wurde, daß ich ohne ein Klavier nicht würde weiter­le­ben können, also kaufte ich mir im Februar 2006 eines – ein billi­ges Yamaha-Digital-Piano mit immer­hin gewich­te­ten Tasten. Ich entschied mich schließ­lich das Klavier­spiel zu lernen und in meiner Vorstel­lung spielte ich nach Noten von Chopin, Bach und Beetho­ven, doch dann war das erste Stück, das ich auf dem Klavier spielte doch mein eigenes. Ich begann wie verrückt Songs zu schrei­ben und spürte das Verlan­gen diese in irgend­ei­ner Form zu veröf­fent­li­chen. Eins führte zum anderen, ich wählte einige meiner Lieblings­stü­cke aus, entwi­ckelte Streicher-Arrangements, heuerte ein paar Musiker an und ging voller Hoffnung ins Studio eines Freun­des um sie aufzu­neh­men. So entstand die 5-Song-EP „Storm“ und als nächs­ter logischer Schritt eine MySpace-Seite. Zu dieser Zeit entschied ich mich, Musik nur für mich zu machen und nichts zu erwar­ten, außer vielleicht ein paar Auftrit­ten. Bald jedoch entdeckte ich, daß ich beses­sen von Musik war und sich jeder meiner Gedan­ken darum drehte. Ich fing an Melodien in Eisen­bahn­ge­räu­schen und Rhyth­men im TV-Rauschen zu hören und es fiel mir schwer, meine Aufmer­sam­keit nicht komplett jegli­cher Art von Musik zu widmen. Ich hatte meine eigene Welt, das Inter­net wurde mein Verbün­de­ter, hier konnte ich Musik hören, die mich überwäl­tigte ohne auf das Angebot in meiner direk­ten Umgebung beschränkt zu sein. Ich hatte eine Schatz­in­sel entdeckt und wollte nichts mehr als dort nach Gold zu graben. So stieß ich auf die Website Sella­band, auf der sogenannte „indepen­dent“ oder „vertrags­lose“ Träumer wie ich Geld von Fans sammeln können um ein Album zu produ­zie­ren. Natür­lich wollte ich nichts mehr als das! Ich wollte ein Album aufneh­men obwohl ich gar keine wirkli­chen Fans hatte, zumin­dest nicht genügend. Die Summe von 50.0000$ zu sammeln erschien mir undenk­bar, doch nach drei Monaten und drei Tagen hatten 657 Leute aus der ganzen Welt 50.000$ in mein zu erwar­ten­des Album inves­tiert! Es war surreal, ein Richtungs­wech­sel in meinem Leben! Im Januar 2008 ging ich nach Berlin um zusam­men mit dem Produ­zen­ten Moses Schnei­der, den Musikern der „Storm EP“, die inzwi­schen meine Streicher-Band und Freunde gewor­den waren, und anderen wunder­ba­ren Talen­ten mein Debüt-Album aufzu­neh­men. Das Ergeb­nis ist fantas­tisch, roh und voller Energie, aufge­nom­men ganz klassisch während die Musiker zusam­men spielen. Alle vermeint­li­chen Neben­ge­räu­sche, vom quiet­schen­den Stuhl bis zum Atmen des Raumes wurden belas­sen, weil sie das Ganze nur noch besser und echter gemacht haben. Ich habe das Album „It might like you genannt“, denn das ist genau das worum es geht – wenn Du Dich drauf einlässt, bereit für die Begeg­nung bist und Deine Erwar­tun­gen draußen abgibst, könnte es Dich mögen. Für immer. (Quelle)

Hier ein tolles Video vom Song Billy Elliot. Für ungeübte Ohren vielleicht ein wenig irritie­rend, ich garan­tiere aller­dings, daß man den Song nach spätes­tens 3 Durch­läu­fen nicht mehr aus den Ohren bekommt.

Grana­ten­stark! Das Album habe ich vor lauter Begeis­te­rung gerade bei Amazon bestellt. Hier noch einige weiter­füh­rende Links:

Offizi­elle Homepage
Myfuck­in­space
Live @ Rockpa­last (Konzer-Stream vom 23. Dezem­ber 2008 in voller Länge!)
Storm-EP auf last.fm kosten­los hören
It might like you – Das Album auf last.fm kosten­los hören


{ 5 comments… read them below or add one }

1 Jens August 3, 2009 um 08:21 Uhr

Ja, klingt sehr nett, auch schon beim ersten Mal…Billy Elliot, war das nicht so ein dahin schmel­zen­der Film über einen Jungen der gern tanzen wollte?

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2 Torsten August 3, 2009 um 10:37 Uhr

Ja, Jens. Gerade noch bei Youtube gesehen: Julia Marcell covert Tokio Hotel! 😯

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3 jule wäscht sich nie August 3, 2009 um 12:28 Uhr

Grana­ten­stark!  Der Auftritt war sicher in Kölle..verdammt, verpasst. Nächs­tes Mal.

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4 Gnomorella August 3, 2009 um 22:04 Uhr

.…hm, Ardade Fire treffen die Dresden Dolls.…hat was !

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5 Torsten August 3, 2009 um 23:34 Uhr

Da hammses uffn Punkt jebracht, Arkaden­feuer trifft Dresd­ner Puppen. Perfekte Beschrei­bung, werte Frau Gnomo­rella.

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