Willkommen in der Zukunft

Aus der Magde­burg­er Volksstimme von heute:

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Asch­er­sleben — Es war ein Bild, das an längst ver­gan­ge­nes Schlangeste­hen zu DDR-Zeit­en erin­nerte. In Zweier- und Dreier­rei­hen standen hun­derte Men­schen bis weit um die Hausecke in der Otto-Arndt-Straße in Asch­er­sleben (Sal­z­land­kreis). Ihr Ziel : ein Ter­min beim Arzt. Es war die erste Sprech­stunde von Auge­narzt Dr. Detlev Hoff­mann – einem 64-jähri­gen gebür­ti­gen Hal­lenser, der aus dem Ruh­e­s­tand in Hes­sen zurück in den Osten gekom­men war und sich gle­ich am ersten Arbeit­stag nicht vor Patien­ten ret­ten kon­nte. Ab 5 Uhr, drei Stun­den vor Sprech­stun­den­be­ginn, standen die Ersten an, bis zum Mon­tagabend blieb eine Schlange. ” Das habe ich mein ganzes Leben nicht erlebt “, sagte Hoff­mann, der selb­st die Pausen aus­fall­en ließ. Mehr als zwei Jahre musste Asch­er­sleben ohne einen Auge­narzt auskom­men, der auch Kassen­pa­tien­ten behan­delt. Im Herb­st 2007 ver­wies die Kassenärztliche Vere­ini­gung ( KV ) die Patien­ten zur ambu­lanten Behand­lung an die Uni­ver­sität­sklinik Halle. Auf Ini­tia­tive des Land­tagsab­ge­ord­neten Detlef Gürth ( CDU ) kon­nte Hoff­mann von KV und Stadt gewon­nen wer­den. In Sach­sen-Anhalt war die Zahl der Augenärzte inner­halb von zehn Jahren von 174 auf 154 gesunken. ” 14 Prozent sind bere­its älter als 60 Jahre, im Jahr 2011 wer­den es 32 Prozent sein “, so Dr. Michael Diestel­horst von der Kassenärztlichen Vere­ini­gung. Zurzeit gibt es Gespräche, wie der Man­gel in eben­falls beson­ders betrof­fe­nen Regio­nen wie Magde­burg, Hettst­edt und Zerb­st entspan­nt wer­den kann.

So sieht also unsere Zukun­ft aus: Mit Min­i­mal­rente in der Tasche beim Arzt Schlange ste­hen und auf dem Rück­weg im Pen­ny die Papri­ka tauschen. Ist das Weg­brechen von ele­mentaren Ver­sorgungsstruk­turen im ländlichen Raum das erste Zeichen der Selb­stau­flö­sung? Wer­den wir im Alter nur noch zu Wun­der­heil­ern gehen? Sollte ich mich als Wun­der­heil­er selb­ständig machen? Sehe ich apoka­lyp­tis­che Ten­den­zen, wo keine sind? Sollte ich den Grauen Pan­th­ern beitreten? Rein präven­tiv, was meint ihr?

Wir müssen Dry­land finden.

3 Kommentare zu „Willkommen in der Zukunft“

  1. Bruce Baxter

    “Die Grauen” wollen sich auflösen (http://www.handelsblatt.com/News/Politik/Deutschland/_pv/_p/200050/_t/ft/_b/1398175/default.aspx/seniorenpartei-steht-vor-der-aufloesung.html).
    Es ist schon erstaunlich, dass eine stetig wach­sende Bevölkerungs­gruppe keine Lob­by in der poli­tis­chen Land­schaft hat. Knut bekommt ein­szueins-Betreu­ung und im Pflege­heim ver­sorgt eine Pflegekraft im Nacht­di­enst 50 Patienten. 

    Gruß Bruce

  2. Der Knut-Ver­gle­ich ist her­vor­ra­gend, Bruce. Du kommst ja aus der Branche, also mach bitte, das rasch alles gut wird. 😉

  3. NACHTRAG. Vielle­icht soll­ten wir ’ne Senioren­partei grün­den, rechtzeit­ige Bil­dung von Inter­essens­ge­mein­schaften schützt vor Unbill im Alter!

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