Männer, die Frauen hassen


Stieg Lars­son — Die Millenium-Trilogie
Verblendung / Ver­damm­nis / Vergebung

Heute soll es um die soge­nannte Mil­le­ni­um-Trilo­gie des schwe­di­schen Autors Stieg Lars­son gehen. Über Lars­son selb­st ist in den vergan­genen Monat­en und Jahren viel berichtet wur­den, ein kurz­er Abriß seines ereig­nis­rei­chen Lebens find­et sich auf Wikipedia. ((Die Erb- und Urhe­ber­stre­it­igkeit­en hält Google News bereit))

Die Mil­le­ni­um-Trilo­gie umfasst die Büch­er Verblen­dung, Ver­damm­nis und Verge­bung. Sie han­deln von dem Jour­na­listen Heraus­geber der Zeit­schrift „Mille­nium“ Mikael Blomkvist und der Rese­ar­cherin Lis­beth Salan­der.

Män som hatar kvinnor
„Män­ner, die Frauen has­sen“, deut­scher Titel Verblen­dung

Der erste Teil begin­nt mit der Verur­tei­lung Mikael Blomkvist wegen Verleum­dung. In ein­er Repor­tage über Machen­schaften des Groß­in­dus­tri­ellen Wenner­ström wurde Blomkvist gelinkt und mit gefälscht­en Beweisen herein­ge­legt. Frus­tiert legt er bis zum Antritt sein­er Haft­strafe seine jour­na­lis­ti­sche Arbeit auf Eis.
Er erhält den Auf­trag, sich für eine sehr gute Bezah­lung in die His­to­rie der nord­schwe­di­schen Groß­fa­milie Vanger einzu­ar­beiten und heraus­zu­finden, warum vor knapp 40 Jahren während eines Fami­li­en­tref­fens die damals 16-jährige Har­ri­et Vanger spur­los ver­schwand. Je tiefer er sich in die Fami­li­en­ge­schichte einar­beitet, um so mehr Abgründe deckt Blomkvist auf. Unver­hofft erhält er Unter­stüt­zung in Form von Lis­beth Salan­der, ein­er „sozial inkom­pe­tenten“ jun­gen Frau mit exzel­lenten Com­put­er– und Hack­er-Fähigkeit­en. Die unter Vormund­schaft eines Anwalts ste­hende Salan­der begeg­net ihrer Umwelt in der Regel mit abso­luter Feind­se­lig­keit. Im Laufe des ersten Romans ent­deckt der Leser andeu­tungs­weise die Gründe für diese Feind­se­lig­keit und natür­lich die dun­klen Geheimnisse der Fam­i­lie Vanger…

Flick­an som lek­te med elden
„Das Mäd­chen, das mit dem Feuer spielte“, deut­scher Titel Ver­damm­nis

Während der erste Teil der Trilo­gie als eigen­stän­diger Roman gele­sen wer­den kann, sind die bei­den Fort­set­zungen enger mitein­ander verzah­nt. In bei­den Roma­nen geht es vor­rangig um die Hinter­gründe Lis­beth Salanders.
Ver­damm­nis begin­nt mit dem Mord an einem jun­gen Kol­le­gen Blomkvists und dessen Frau, die bei­de im Fall eines Mädchen­händ­ler­ringes recher­chierten. Eben­so wird der gesetz­liche Vor­mund Salan­ders ermordet aufge­funden. Der Ver­dacht fällt sofort auf Lis­beth Salan­der, welche nun euro­pa­weit wegen 3‑fachen Mordes gesucht wird. Blomkvist übern­immt die Recher­chen im Falle des Mädchen­händ­ler­ringes und ver­sucht außer­dem, die Unschuld Salan­ders zu beweisen. Seine Nach­for­schungen führen in Lis­beth Salan­ders Vergan­gen­heit. Stück für Stück kommt eine unfass­bare Tragödie ans Tages­licht, deren ganzes Aus­maß abso­lut erschre­ckend ist…

Luft­slottet som sprängdes
„Das Luft­schloss, das gesprengt wurde“ deut­scher Titel Verge­bung

Der let­zte Teil der Trilo­gie schließt naht­los an Ver­damm­nis an. Lis­beth Salan­der ste­ht immer noch unter Mord­ver­dacht und Blomkvist ver­sucht weit­er­hin ihre Unschuld zu beweisen. Mehr sei an dieser Stelle nicht ver­rat­en, son­st wird es unspannend…

Faz­it:

Alle Teile der Mil­len­ni­um-Trilo­gie sind unglaub­lich span­nend und abso­lut f‑e-s-s-e-l-n‑d. Wer glaubt, die Büch­er dosiert lesen zu kön­nen, irrt. Zusät­zlich brin­gen die Romane das Kun­stück fer­tig, mit beina­he schlafwan­d­lerisch­er Sicher­heit auf dem schmalen Grat zwis­chen Anspruch und Unter­hal­tung zu wan­deln. Natür­lich gibt es auch Kri­tikpunk­te: Auf der Soll-Seite der Romane ste­hen ein paar Stereo­typen und Klis­chees. So bekommt beispiel­sweise Blomkvist im Ver­lauf der drei Romane jede Frau spie­lend ins Bett. Außer­dem sind die Bösewichte über­mäßig fin­stere Bösewichte, ein­er davon ist sog­ar mit beina­he über­men­schlichen Eigen­schaften aus­ges­tat­tet. Dazu die große Ver­schwörung des Geheim­di­en­stes mit viel Tam­tam und dun­klen Mächt­en… Ins­ge­samt jedoch, stellen diese kleinen Mankos keinen über­mäßig wichti­gen Punkt in der Bew­er­tung der Romane dar. Sie sind eher wie eine Prise Zuck­er im Kaf­fee: Es schmeckt vielle­icht ein wenig komisch, stört aber nicht wirklich.

Stieg Lars­son hat(te) ein unglaub­li­ches Gefühl für Span­nung und Tim­ing. Die gut 2000 Seit­en der Trilo­gie habe ich regel­recht ver­schlun­gen. Was mir sehr gefall­en hat, ist die radi­kale und kompro­miß­lose Konse­quenz, mit der Lars­son seine Prot­ago­nisten han­deln läßt. Inbe­son­dere Lis­beth Salan­der schreckt zur Wieder­her­stel­lung der Gerech­tig­keit wenn nötig auch vor bru­tal­en Gewalt­taten nicht zurück. Lars­son hat sein­er Heldin damit qua­si ein post-fem­i­nis­tis­ches Mani­fest auf den Leib geschrieben; ein Aspekt, der bei der Bewer­tung und Einord­nung der Romane mein­er Mei­n­ung nach gern vergessen wird. In der Essenz aller drei Romane geht es — auf den sim­plen Punkt reduziert — um nichts anderes, als um Gewalt gegen Frauen. Und das in jed­er erden­klichen Hin­sicht. ((Deshalb schien mir die wörtliche deutsche Über­set­zung des Titels des ersten Romans für diesen Beitrag auch am passend­sten.)). Lars­son dreht den Spieß auf intel­li­gente Art und Weise um, und macht aus dem Opfer Salan­der eine Kämpferin. Trotz all der erfahre­nen Gewalt und Demü­ti­gun­gen, trotz der gebroch­enen Seele der Pro­tag­o­nistin, läßt er Salan­der niemals aufgeben. Stattdessen sorgt er dafür, daß sie jede erlit­tene Ver­let­zung tausend­fach poten­ziert zurück­zahlt. Das alte bib­lis­che Prinzip von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, hier jedoch — geschlecht­sun­spez­i­fisch! — aus­gedacht und durchge­führt von ein­er Frau. 

Wer viel Zeit und ein Faible für mitreißende Lit­er­atur hat, sollte sich diese Romane auf keinen Fall ent­ge­hen lassen. Alle drei Büch­er sind inzwis­chen ver­filmt, wobei ich Verblendung als Kinofilm eben­so uneingeschränkt empfehlen kann. Den zweit­en Teil sehe ich dem­nächst, der dritte startet im Som­mer in den Kinos.

Die Romane sind in jed­er Buch­hand­lung oder bei amazon.de erhältlich.

4 Kommentare zu „Männer, die Frauen hassen“

  1. Na, danke! Da habe ich Ewigkeit­en einen großen Bogen um diese drei Büch­er gemacht, weil ich eh kaum Zeit zum Lesen hab (*heuu­ul*) und nun präsen­tierst du hier etwas, was mich unheim­lich neugierig macht! Ist das denn in Ord­nung?????????? JA! Ich werde mir heute das erste Buch holen. Punkt.

    Danke dafür
    Schönes Wochenende

  2. moin torsten,
    habe mir nach dem ersten film alle drei büch­er auf ein­mal geholt und in nul­lkom­manix gele­sen. man kann die büch­er wirk­lich nur empfehlen. sehr span­nend und gut geschrieben…schade das es bei drei büch­ern geblieben ist. es soll wohl noch mate­r­i­al für ein viertes oder sog­ar mehr geben, aber da sind wohl irgendwelche erb­stre­it­igkeit­en inner­halb der fam­i­lie im gange…
    @kerstin, nicht nur das erste kaufen, gle­ich alle, denn du wirst dich ärg­ern, wenn das erste aus­ge­le­sen ist und du kannst nicht weiterlesen.…
    bruce

  3. @ Ker­stin: Genau das richtige Wet­ter zum Bücher­lesen. Viel Spaß und span­nende Unter­hal­tung, es lohnt sich wirk­lich abso­lut! Und denk an Bruce‘ Rat: Am besten kauf­st Du alle drei Büch­er auf einen Schlag! 😉

    @ Bruce: Soweit ich informiert bin, hält Larssons Lebens­ge­fährtin sein Note­book fest in ihren Hän­den … darauf soll wohl min­destens ein weit­er­er Teil der Mil­le­ni­um-Serie schlum­mern. Mal schauen, wie sich die Geschichte entwickelt…

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